Ramaphosa will "alle Register" gegen Gewalt in Südafrika ziehen
Tote und Verletzte in Südafrika Ramaphosa will "alle Register" gegen Gewalt ziehen Stand: 28.09.2026 • 16:39 Uhr
Am Wochenende starben in Südafrika mindestens 28 Menschen durch Schusswaffen. Sicherheitsexperten sehen ein Muster aus Gewaltbereitschaft, organisiertem Verbrechen und schwacher Polizei. Präsident Ramaphosa kündigt harte Maßnahmen an.
Menschen tanzen und feiern, es läuft fröhliche Musik. Plötzlich fallen Schüsse. Bewaffnete Männer feuern in die Menge. Am Ende sind zehn Gäste tot, elf weitere schwer verletzt.
Handy-Aufnahmen vom Überfall auf ein beliebtes Grill-Lokal in der Nähe von Kapstadt kursieren in den Sozialen Medien. Die Fahndung nach den Tätern läuft, Festnahmen gibt es bisher nicht. Das gilt auch für das Massaker von Carletonville, westlich von Johannesburg. Hier hatten am späten Samstagabend acht schwer bewaffnete Männer in einer Taverne ein Blutbad angerichtet, unter anderem mit Sturmgewehren. Mindestens 18 Menschen wurden erschossen, zahlreiche andere verletzt.
Ein Überlebender des Angriffs sagte dem Nachrichtenkanal eNCA: "Ich war in der Taverne, als die Schüsse anfingen. Ich war drinnen mit meinem besten Freund. Die Schießerei begann draußen. Dann haben wir uns hingeworfen und auf den Boden gelegt. Das war das letzte Mal, dass ich meinen Freund lebend gesehen habe. Ich lag einfach nur da und stellte mich tot."
Laut Polizei gibt es inzwischen erste Hinweise auf die möglichen Täter. In dem Lokal war vor einem Monat ein Mann erschossen worden. Ein Racheakt gilt als nicht ausgeschlossen. Genauso wenig wie eine Auseinandersetzung zwischen Bergleuten, die illegal in stillgelegten Minen nach Gold schürfen. Häufig geht es bei solchen Taten aber auch um Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Banden, die in Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Prostitution verwickelt sind. Südafrika hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Die Gewaltbereitschaft gilt besonders in den Armenvierteln, wo vor allem viele junge Leute kaum Perspektiven haben, als überdurchschnittlich groß.
Dass im Land viele illegale Waffen im Umlauf sind, verschärft das Problem, sagt Dean Peacock, vom Aktionsbündnis der Weltgesundheitsorganisation gegen Schusswaffengewalt in einem eNCA-Gespräch: "Die Waffen, die für solche Morde verwendet werden, stammen ursprünglich aus legalen Quellen, von der Polizei, von Zivilisten, von Sicherheitsfirmen. Sie werden aber gestohlen und zirkulieren dann im kriminellen Milieu. Im Taxigewerbe, im Drogenhandel, in Erpressernetzwerken - Schusswaffen sind in Südafrika zu einem Instrument geworden, mit dem die organisierte Kriminalität ihre Macht durchsetzt."
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Von der Politik verlangt das Aktionsbündnis Programme zur Vernichtung illegaler Waffen und schärfere Gesetze. Denn Waffen würden - anders als von der Rüstungslobby behauptet - die Menschen eben nicht sicherer machen. Der Kriminalitätsexperte Mxolisi Mathebula sieht eine Vertrauenskrise zwischen der Bevölkerung und der Polizei.
Er verweist im Radiosender Cape Talk auf einen aktuellen Bericht der obersten Rechnungsprüferin des Landes: "Einige Menschen in den Gemeinden haben es aufgegeben, Straftaten bei der Polizei anzuzeigen, weil sie sagen: 'Selbst wenn man Anzeige erstattet, kann die Polizei im Grunde sowieso nichts unternehmen.'" Der Bericht zeige, dass 48 Prozent der Südafrikaner noch ein gewisses Vertrauen in die Polizei hätten. Die Mehrheit der Südafrikaner vertraue der Polizei allerdings nicht.
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Präsident Cyril Ramaphosa zeigte sich angesichts der Gewalttaten am Wochenende erschüttert und verspricht, "alle Register zu ziehen", um die Kriminalität zu senken. "Wir können kein Land sein, in dem Menschen einfach zu Waffen greifen und wahllos auf andere Menschen schießen. Dem muss ein Ende gesetzt werden, und wir werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen."
Allerdings hat die Entsendung der Armee zur Unterstützung der Polizei beim Kampf gegen die Bandengewalt bisher kaum greifbare Ergebnisse gebracht. Die Überlebenden der Angriffe im Westkap und Carletonville hoffen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. "Die Gemeinschaft hier hat niemandem etwas getan. Das ist alles, was ich sehen möchte: Gerechtigkeit für meinen Freund."
Dieses Thema im Programm: NDR Info | Nachrichten | 28.09.2026 | 18:22 Uhr

