Oktoberfest steht nach tödlichem Unfall unter Schock
Jürgen Schreyeck an seinem Süßwarenstand direkt gegenüber dem Fahrgeschäft "Hangover" (im Hintergrund). Er selbst hat den tödlichen Unfall nicht mitbekommen. (Quelle: Philip Buchen )VorlesenAktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:001xArtikel teilenAuf dem Münchner Oktoberfest ist am Montagabend ein Mitarbeiter eines Fahrgeschäfts bei einem Unfall getötet worden. Die Suche nach der Ursache läuft.
Nach dem tödlichen Unfall eines Mitarbeiters eines Fahrgeschäfts auf dem Münchner Oktoberfest gehen die Ermittlungen zur Ursache weiter. Das sagte ein Polizeisprecher am Morgen nach dem tödlichen Zwischenfall. Weitere Details konnte er zunächst nicht nennen.
Ein 52-jähriger Mitarbeiter war am Montag nach einem Betriebsunfall an einem Free-Fall-Turm im Krankenhaus gestorben. Bei dem Fahrgeschäft rauschen Fahrgäste in einer Gondel aus hoher Höhe nach unten. Der Mann habe sich wohl in einem Bereich aufgehalten, in dem er nicht hätte sein sollen. Er sei dann getroffen, möglicherweise auch eingequetscht worden. Der lebensgefährlich Verletzte wurde den Angaben nach noch reanimiert, starb dann aber im Krankenhaus.
Ewald Schneider jr., der Betreiber der Anlage, war am Morgen mit einigen Mitarbeitern am Hangover. Er wollte sich nicht zitieren lassen, sprach im Gespräch mit der Münchner Lokalredaktion von t-online dann aber über den Vorfall. Es sei ein tragischer Unfall gewesen, der nun aufgeklärt werden müsse. Man könne erst in den nächsten Stunden etwas sagen.
Derzeit laufen Ermittlungen der Polizei. Wann das Fahrgeschäft wieder fahren kann, ist unklar, ist aus dem Umfeld des Fahrgeschäfts zu hören. Die Betreiber des Hangover wollen nicht zur Tagesordnung übergehen. Unter den Mitarbeitern war die Betroffenheit nach dem Tod des Kollegen groß. "Unser ganzes Team ist geschockt und entsetzt", teilte Dirk Metz, der Sprecher der Betreiberfamilie Schneider, mit.
In der Pressemitteilung hieß es, die Familie arbeite eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. Dabei wolle sie diese bei der Klärung der Frage unterstützen, wie es "zu diesem für die Schaustellerfamilie einmaligen Vorfall" habe kommen können und welche Konsequenzen gegebenenfalls zu ziehen seien.
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) reagierte zuvor mit Bestürzung auf den Unfall: "Meine Gedanken sind bei der Familie des verunglückten Mannes und den Mitarbeitenden des Fahrgeschäfts. Ich danke den Einsatzkräften für das schnelle Eingreifen", sagte er in einem ersten Statement.
Menschen stehen vor dem Fahrgeschäft "Hangover" am Dienstagmorgen kurz nach Öffnung des Oktoberfestgeländes. (Quelle: Sven Hoppe)Oktoberfest-Unfall: Fahrgäste waren laut Polizei nicht in GefahrWie die Polizei mitteilt, seien die Wiesn-Besucher in dem Fahrgeschäft zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen. Der Bereich rund um das Fahrgeschäft wurde für den Rettungseinsatz großräumig abgesperrt. Zahlreiche Augenzeugen mussten von einem Kriseninterventionsteam betreut werden.
Die Polizei ermittelt nun zum genauen Unfallhergang und bittet Zeugen, die möglicherweise über Videomaterial verfügen, sich unter der Telefonnummer 089 2910-0 zu melden.
Der Vorfall am Montagabend bewegt nicht nur die Wiesn-Gänger, sondern auch die Schaustellerfamilien. Direkt neben dem "Hangover" steht der Mandelstand von Jürgen Schreyeck und seiner Frau Christina. Seit über 40 Jahren verkaufen die beiden ihre Süßwaren. Jürgen Schreyeck sagt am Dienstagmorgen zur Münchner Lokalredaktion von t-online: "Ein schrecklicher Vorfall, so etwas passiert auf der Wiesn leider immer wieder."
In seinen vier Jahrzehnten auf dem Oktoberfest hat Schreyeck, so sagt er, schon viele tragische Fälle an Fahrgeschäften erlebt. "Man kann die Leute so gut schulen, wie man will, ganz vermeiden lässt sich so etwas nicht."
Polizeibeamte und Rettungskräfte sind an einem Unfallort im Einsatz. Auf dem Oktoberfestgelände in München war es an einem Fahrgeschäft zu einem Unfall gekommen. (Quelle: Felix Hörhager)Den mutmaßlichen Unfall am Abend haben die Schreyecks selbst aber nicht miterlebt. Familienvater Schreyeck ist dennoch persönlich betroffen: "Eine furchtbare Sache, der arme junge Mann." Er hat das Gefühl, dass Vorfälle wie der gestrige die Wiesn-Gänger heute nicht mehr so beschäftigen wie früher. "Es ist so viel auf der Welt los, die Leute stumpfen ab."
Und dennoch sollten Vorfälle wie dieser die Wiesn seiner Meinung nicht überschatten: "Hier kommen sechs Millionen Besucher wahrend der Wiesn hin und die allermeisten haben eine schöne, friedliche Zeit. Das sollte nicht vergessen werden."
Leere Sitzplätze: Auf einer Gondel werden die Fahrgäste in die Höhe gezogen, bevor sie in die Tiefe fallen. (Quelle: Sven Hoppe)Bereits zweiter Vorfall an einem Wiesn-FahrgeschäftAuf dem Oktoberfest markierte der Unfall bereits den zweiten Vorfall mit einem Fahrgeschäft in diesem Jahr. In einem stehengebliebenen Drehkarussell hatten Fahrgäste am Samstagabend etwa zwei Minuten lang kopfüber ausharren müssen, bevor sie aus ihren Sitzen geholt werden konnten. Grund der Panne war wohl ein defekter Sensor. Der TÜV prüfte das Karussell erneut, bevor es noch am Abend wieder freigegeben wurde.
Das 191. Oktoberfest läuft seit Samstagmorgen und dauert bis zum 4. Oktober. Jährlich kommen mehr als sechs Millionen Besucher auf das Volksfest, das als größtes der Welt gilt. Etwa 600 Polizeibeamte und Hunderte Ordner sind rund um das Fest im Einsatz.

