Klimawandel war ein Hauptgrund für Felssturz im Himalaya
Studie vorgelegt Klimawandel war Hauptgrund für Felssturz im Himalaya Stand: 17.09.2026 • 11:29 Uhr
Ein neuer Bericht über die Ursachen der Sturzflut im Himalaya zeigt: Der Klimawandel hatte einen weit größeren Anteil an der Katastrophe als zunächst vermutet. Ein dabei entdecktes, kaum bekanntes Phänomen könnte auch in den Alpen relevant sein
Wochenlang rätselten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, was genau den Felssturz an der Nordseite des über 7.000 Meter hohen Langtang Lirung in Nepal verursacht hatte und woher die gewaltigen Wassermassen kamen, die zu einer verheerenden Sturzflut führten. Die Regierung in Nepal hat bereits den menschengemachten Klimawandel für die Katastrophe verantwortlich gemacht. Doch welche Rolle dieser dabei genau spielte, war bislang unklar.
Jetzt hat die Organisation World Weather Attribution (WWA) einen umfangreichen Bericht zu den Ursachen der Katastrophe veröffentlicht: "Es war ein geologisch verwundbarer Berghang, der möglicherweise durch ein Erdbeben im Jahre 2015 zusätzlich geschwächt wurde."
Destabilisiert wurde er aber durch Gletscherrückgang, getauten Permafrost, außergewöhnlich große Mengen Schmelzwasser und die außergewöhnliche Wärme unmittelbar vor dem Ereignis", erklärt der an der Studie beteiligte Klimaforscher Walter Immerzeel von der Universität Utrecht.
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Seit der Industrialisierung sind die Temperaturen im Himalaya um rund 1,5 Grad gestiegen. Dadurch stieg laut WWA-Bericht auch die sogenannte Null-Grad-Grenze in der Monsun- und Nachmonsunzeit in den letzten Jahrzehnten alle zehn Jahre um 100 Meter bis in die Bereiche des einst "ewigen Eises" mit Gletschern und gefrorenen Permafrostböden.
Das Jahr vor dem Bergsturz war ungewöhnlich warm, die zwei Monate vor dem Bergsturz waren die wärmsten, die je in der Region gemessen wurden.
Der Glaziologe Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften fasst die Schlussfolgerungen aus dem Bericht zusammen: "Vieles deutet darauf hin, dass der Klimawandel wohl doch eine entscheidende Rolle spielt. Wir befinden uns dort in einer Höhenzone, in der die klimatischen Bedingungen von Permafrost zu auftauendem Permafrost führen oder von geringer oder mäßiger Gletscherschmelze zu starker Gletscherschmelze."
Das bedeutet: In den warmen Sommermonaten gibt es dort oben wegen der Wirkung des Klimawandels deutlich mehr Wasser als früher.
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Wegen der steigenden Temperaturen im Himalaya fällt in großen Höhen immer häufiger Regen an Stelle von Schnee. Statt als Schnee auf den Gletschern liegenzubleiben und im Laufe von Jahrzehnten oder Jahrhunderten zu Eis zu werden, kann das Wasser nun rasch durch Gletscherspalten in Gesteinsklüfte unter dem Eis eindringen und sich dort ansammeln.
Wasser aus dem abtauenden Permafrost lagert sich ebenfalls im Fels ein und übt zusätzlich Druck auf das Gestein aus. Das alles machte der WWA-Studie zufolge die Flanke des Berges instabil, bis sie schließlich abbrach.
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Die neue Erkenntnis, dass sich auch im Gestein größere Mengen Schmelzwasser ansammeln können, könnte auch Konsequenzen für die Gefahrenüberwachung in den Alpen haben. "Man muss jetzt sicherlich genauer hinschauen, weil man den Einfluss des Wassers bisher zwar kannte, aber bisher nicht in diesem Ausmaß, in dem das dort in Nepal passiert ist", erklärt Experte Mayer.
Der Bericht zeigt klar: Ohne die Erwärmung im Himalaya wäre es nicht so schnell und wohl auch nicht in diesem Ausmaß zur Katastrophe gekommen. Zugleich macht er deutlich, dass die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels auf die empfindlichen Hochgebirgsregionen immer noch zu wenig verstanden sind.
Dieses Thema im Programm: Bayern 2 | Die Welt am Morgen | 17.09.2026 | 06:05 Uhr
