Gescheiterte Hinrichtung heizt Debatte über Todesstrafe neu an
Nach gescheiterter Hinrichtung Debatte über Todesstrafe in den USA neu entfacht Stand: 02.10.2026 • 07:45 Uhr
Der Fall einer Mörderin, die ihre versuchte Hinrichtung überlebte, hat die Debatte über die Todesstrafe in den USA wieder angeheizt. Die Frau ist offenbar weiter in kritischem Zustand. Ihr Anwalt spricht von diversen Pannen.
Zwei Giftspritzen hat die zum Tode verurteilte Christa Pike überlebt. Die Hinrichtung der 50-jährigen, verurteilten Mörderin ist damit vorerst gescheitert und wirft noch dazu viele Fragen auf. Reporter konnten den Vorgang in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat Tennessee in Teilen mitverfolgen.
Kim Chandler von der Nachrichtenagentur AP schildert, was sie nach den beiden Injektionen beobachten konnte: "Pike war auf einer Trage festgeschnallt und hat laut und rhythmisch geschnarcht. Ein paar Mal schien sie auch nach Luft zu schnappen. Sie war ganz offensichtlich noch am Leben - länger, als erwartet wurde."
Pike wurde daraufhin in ein Krankenhaus gebracht. Ihrem Rechtsbeistand zufolge ist sie in kritischem Zustand und erhält eine lebensrettende Behandlung. Noch ist nicht klar, ob Pike überleben wird.
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Ihr Anwalt Randy Spivey fordert, die Todesstrafe für seine Mandantin aufzuheben und sie stattdessen lebenslang in Haft zu lassen. Pike habe eine härtere Strafe ertragen müssen, als jeder andere Mensch in der Geschichte der amerikanischen Todesstrafe, so Spivey. Er berichtet, dass es zahlreiche Pannen bei der versuchten Hinrichtung gegeben habe. Allein an Pikes linkem Arm hätte er sieben Einstiche gezählt, bis ein intravenöser Zugang gelegt werden konnte. Ihr rechter Arm habe sich zudem während der Injektion violett verfärbt.
Rechtsprofessorin Corinna Barrett Lain von der University of Richmond wundern diese Pannen nicht. Sie beschäftigt sich schon lange mit Hinrichtungen in den USA. "Die Fehlerquote bei Hinrichtungen durch Giftspritzen ist doppelt so hoch wie bei jeder anderen Methode. Sie liegt zwischen sieben und acht Prozent. Im Jahr 2022 betrug sie fast vierzig Prozent. Das kommt also vor - und in Tennessee war es sogar das zweite Mal."
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Im Mai dieses Jahres war in Tennessee bereits eine Hinrichtung gescheitert. Dem medizinisch ungeschulten Gefängnispersonal gelang es damals nicht, dem Todeskandidaten einen Zugang zu legen. Pike ist allerdings die erste Person in den USA, die eine Hinrichtung überlebt hat, nachdem die toxischen Spritzen verabreicht wurden.
Der republikanische Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, hat nun alle für dieses Jahr geplanten Hinrichtungen ausgesetzt und eine Untersuchung angeordnet. Rechtsprofessorin Lain hofft, dass der Vorfall eine noch viel grundsätzlichere Debatte auslöst und die grausamen Exekutionen ganz beendet werden.
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"Der Mythos über Giftspritzen besagt, dass es so wäre, als würde man ein Haustier einschläfern", sagt Lain. "So ist es ganz und gar nicht. Wir sehen in Obduktionsberichten, dass Menschen ersticken, teilweise ein, zwei oder drei Stunden lang."
"Humanes Töten" sei ein Widerspruch in sich, meint Lain. Es erfordere immer Gewalt, um ein Leben zu beenden - der Körper kämpfe bevor er bereit sei, von selbst aufzugeben. "Wenn Sie fragen, ob es eine humane Art gibt, Leben zu nehmen? Ja, es nennt sich lebenslange Freiheitsstrafe ohne Bewährung."
Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Gescheiterte Hinrichtung in Tennessee: Wie "human" sind Giftspritzen? | 02.10.2026 | 06:52 Uhr

