Frankreich: Antisemitismus-Vorwürfe gegen LePens Parteichef Bardella

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Ein investigatives Portal erhebt schwere Vorwürfe gegen Jordan Bardella, Chef des rechtsnationalen Rassemblement National. In seinen Anfängen als Politiker soll er antisemitische Textnachrichten verschickt haben. Von J. Borutta.

Rassemblement National Antisemitismus-Vorwürfe gegen Parteichef Bardella Stand: 30.09.2026 • 18:59 Uhr

Ein investigatives Portal erhebt schwere Vorwürfe gegen Jordan Bardella, Parteichef des rechtsnationalen Rassemblement National. In seinen Anfängen als Politiker soll er antisemitische Textnachrichten verschickt haben.

Noch bis vor wenigen Tagen schien es, als könne nichts und niemand den Rassemblement National in seinem Höhenflug zur Macht aufhalten. Nun aber bläst ihm der Wind kalt ins Gesicht - vor allem seinem Parteivorsitzenden Jordan Bardella.

Das investigative Informationsportal Mediapart zitiert aus angeblichen Mailwechseln und Textnachrichten aus den Jahren 2013 und 2015, in denen der damals 17- beziehungsweise 19-jährige Bardella unter anderem Folgendes geschrieben haben soll: "Der Jude muss die anderen Völker beherrschen, sie zerquetschen und ausrauben." Oder auch: "Die Banken sind alle im Besitz von Juden."

Außerdem soll Bardella von dem antisemitischen Intellektuellen Alain Soral fasziniert gewesen sein. Dessen Analysen, so Bardella, seien "richtig", denn sie würden "durch Tatsachen belegt".

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Bardella hat umgehend eine Verleumdungsklage gegen Mediapart eingereicht, es handele sich um "krasse Fälschungen", die zitierten Äußerungen habe er niemals getätigt. In einem Partei-Meeting erklärte Bardella, er sei in seiner politischen Karriere quasi "mit dem Laser untersucht und unter die Lupe genommen worden", und nie habe man ihm etwas vorwerfen können.

Mediapart habe entweder eine "barbouzerie", eine dubiose Schmutzkampagne, gegen ihn gestartet oder sei selbst vor lauter "Hass gegen den Rassemblement National" einem Komplott aufgesessen, das von anderen inszeniert worden sei.

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Auch Marine Le Pen, die Präsidentschaftskandidatin der Partei, reagierte empört. Das werde man nicht mit sich machen lassen, sagte sie, keine "normal veranlagte Person" könne diesen "Irrsinn" glauben; solche Manipulationen sei man ja von Mediapart gewöhnt.

Mediapart reagiert ungerührt. Einer der an der Enthüllung beteiligten Journalisten, Fabrice Arfi, erklärte in einem Live-Stream auf Mediapart, die Redaktion habe Informationen von unterschiedlichen Quellen bekommen, habe mit technischen Mitteln alte Konversationen auf Facebook und anderen Plattformen rekonstruiert. Niemals würde man mit derartigen Enthüllungen an die Öffentlichkeit gehen, wenn man sich nicht "zweihundertprozentig sicher" sei.

Der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Frankreich, Philippe Mayer, nimmt die Vorwürfe sehr ernst. Wenn sich die Bardella zugeschriebenen Äußerungen als wahr herausstellen sollten, "wäre das absolut schlimm, schockierend, einfach schrecklich", sagte Mayer im Fernsehsender BFM. Denn in den zitierten Äußerungen finde sich "das Gedankengut des abstoßendsten Antisemitismus" wieder. "Diese Sätze machen Angst", so Mayer.

Und sie konterkarieren die Entdämonisierungsstrategie, die Marine Le Pen durchgesetzt hat, seit sie 2011 an die Spitze der Vorgängerpartei Front National gerückt war und ihren Vater Jean-Marie Le Pen als damaligen Parteipräsidenten abgelöst hatte.

Le Pen Senior ist unter anderem wegen Antisemitismus und wegen der Verharmlosung des Holocausts verurteilt worden. Die Gaskammern der Nazis nannte er "ein Detail der Geschichte".

Mit diesen Entgleisungen habe Marine Le Pen gebrochen, erklärt die Historikerin Valerie Igounet im Gespräch mit dem ARD-Studio Paris, das vor den aktuellen Enthüllungen aufgenommen wurde. Marine Le Pen habe damals gewusst, dass die Partei "Frankreich niemals werde regieren können, solange sie nicht mit dem Antisemitismus eines Jean-Marie Le Pen bricht", erklärt Igounet.

Vordergründig wurde der Bruch mit dem Antisemitismus vollzogen, auch wenn einige Parteianhänger immer wieder mit antisemitischen Äußerungen auffallen. Diese bezeichnet die Parteispitze verharmlosend als "schwarze Schafe".

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Doch nun ist ausgerechnet Bardella in den Fokus geraten, der Mann, den Marine Le Pen als ihre rechte Hand, als Kronprinzen, als zukünftigen Premierminister aufgebaut hat und der auf Stimmenfang im konservativen Lager gehen sollte.

Zwar verteidigt ihn Le Pen leidenschaftlich und kämpferisch; zwar bringt Bardella zu seiner Verteidigung vor, er habe 2025 auf Einladung der israelischen Regierung die Shoah-Gedenkstätte Jad Vashem in Jerusalem besucht; und viele jüdische Franzosen, wie etwa der berühmte Nazi-Jäger Serge Klarsfeld, bezeichnen den RN mittlerweile als "Verbündeten" der Juden gegen die Bedrohung durch antisemitische Muslime im Land.

Doch Bardella hängt immer noch seine Aussage über den Partei-Übervater Jean-Marie Le Pen an, den er in seiner Jugend glühend verehrte. Erst vor knapp drei Jahren, im November 2023, sagte Bardella in einem Interview mit BFM TV, er glaube nicht, dass Jean-Marie Le Pen ein Antisemit gewesen sei. An diesen Satz dürften sich nun viele erinnern.

Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Antisemitismus-Vorwürfe gegen Jordan Bardella | 30.09.2026 | 18:54 Uhr

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https://www.tagesschau.de/ausland/europa/bardella-vorwuerfe-antisemitismus-100.html
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